Das Elend hinter der schönen Scheinwelt Ein Schüler-Kunstprojekt von Terre des Hommes

Gaggenau-Bad Kotenfels (khf). Der schöne Schein unserer oft sehr preiswer­ten und bunten Warenwelt hat auch eine Kehrseite, die acht Schülerinnen und Schüler des Kinderrechtsteams Nojoud von Terre des Hommes im Rahmen eines Kunstprojekts sichtbar machen wollen.

Kinderarbeit_BNN

Angeleitet von Beatrice Büchzel, schuf jeder Jugendliche am vergangenen Wo­chenende im Kunstraum der Eichel­bergschule ein Kunstwerk. Jede dieser Arbeiten be­leuchtet einen anderen Aspekt unse­rer schönen Waren­welt, bei der wir immer wieder gerne zu­greifen – je billiger, desto lieber. Dass der günstige Preis meist auch einen aus­gesprochen widerlichen Aspekt hat, ist kaum jemandem bewusst und daran wollen die Jugendlichen mit ihrer Kunst etwas ändern. Viel zu oft steckt nämlich hinter den für wenig Geld angebotenen technischen Geräten wie Smartphones oder Tablets und hinter der kostengüns­tigen Mode die rücksichtslose Ausbeu­tung von Kindern in Asien, Südamerika oder Afrika. Genau das wollen die Ju­gendlichen mit ihren im wahrsten Sinne des Wortes hintergründigen und doppel­gesichtigen Arbeiten zeigen: Die Bilder bestehen aus einem auf der Vorderseite mit Gaze bespannten Holzrahmen und einer festen Rückseite mit einer Collage oder einem gemalten Bild.

Auf der Gaze, also auf der Oberfläche des Werks nicht weniger als auf der Oberfläche „der Wirklichkeit, zei­gen die Bilder die schönen Dinge des modernen Lebens wie Mode oder elektronische Geräte; wenn man die Bil­der aber beleuchtet, erscheint hinter der Gaze eine ganz andere, gar nicht schöne Welt, eine Welt, in der all‘ diese Dinge hergestellt werden und eine Welt, die nicht mehr verheimlicht, dass wir zu oft nur deshalb so preiswert über diese Din­ge verfügen können, weil sie unter un­menschlichen Bedingungen und oft von Kinderhänden hergestellt wurden.

In den Bildern der Kinderrechtsgruppe geht es nicht allein um den Missbrauch von Kindern als billige Arbeitskräfte, sondern auch um deren Einsatz als Kin­dersoldaten. Einer der Jugendlichen hat sich für sein Bild genau dieses Thema vorgenommen und ein bemerkenswert anschauliches Bild geschaffen.

Mit der Problematik beschäftigt sich die Kinderrechtsgruppe von Terre des Hommes schon lange. Sophie Uhing ver­rät, was sie dazu brachte, sich nun auf künstlerische Art mit dem Thema zu be­fassen. Es ist ein von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ausgeschriebener Wettbewerb. Vor zwei Jahren hatte die Gruppe schon einmal an einem ähnlichen Wettbewerb erfolg­reich teilgenommen und 1.000 Euro Preisgeld erhalten. „Damals haben wir 750 Euro für die Arbeit von Terre des Hommes gespendet, den Rest haben wir für eigene Projekte verwendet“, meint Sophie Uhing. Hätte man erneut Erfolg, will die Gruppe mit dem Preisgeld ähnlich verfahren.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten

BNN 28. Januar 2013, Text und Bild: Fischer

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