Straßenkind für einen Tag: Wertvolle Erfahrungen gesammelt

Es war kalt in der Fußgängerzone, als eine ganze Gruppe Sechstklässler bettelten. Mehr noch als unter den Temperaturen litten die jungen Gymnasiasten allerdings unter den Reaktionen mancher Passanten. Denn wirklich betteln brauchten die Tullaner nicht. Sie beteiligten sich vielmehr an der bundesweiten Aktion „Sichtwechsel“ von terre des hommes und wollten einen Tag lang nachempfinden, wie sich ein Straßenkind fühlen mag.Straßenkind für einen Tag

Nicht zum ersten Mal ist das Tulla mit dabei. Einige der älteren Schüler gehören der Jugend-AG Nojoud an. Während die Älteren wie Sophie Uhing und Marie-Lena Bertsch hinter den Kulissen tätig waren und in erster Linie den Info- Stand betreuten, gingen Schüler der sechsten Klassen „betteln“.

Selbst gemachte Bauchläden aus alten Kartons und ein paar kleine Geschenke vom Schulheft über Luftballons bis hin zu Streichholzschachteln hatten sie darin arrangiert. „Da muss man doch was tun“, ist Antonija völlig fassungslos angesichts des Desinteresses/das ihnen zuweilen entgegen schlug. Während viele Passanten schon von weitem abwinkten, den Kopf abwandten oder einfach möglichst schnell an den Kindern vorbeiliefen, erzählt sie von den Vorbereitungsstunden auf die Aktion.

Sophie hat Bilder mitgebracht, hat erzählt und den Schülern erklärt, wie man am besten auf die Passanten zugeht. Lebendiger Unterricht, der nicht einfach verpufft ist, erzählt Lauris von Kindern, die unmittelbar an der Straße schlafen, nur zwei Handbreit weg von den vorüberfahrenden Autos, von Menschen, die über die Schlafenden hinwegsteigen und sich sicher auch nicht scheuen auf sie zu treten. Dass die Passanten nicht einmal mit ihnen ins Gespräch kommen wollten, sondern von vorneherein abwinkten, traf die Kinder ganz besonders. „Ich will niemals so werden und ich glaube auch nicht, dass ich diese Bilder und diesen Tag jemals vergessen werde“, besinnt sich Antonija auf ihre Sozialkompetenzen.

Doch Tim lässt sich von solchen kleinen Niederlagen nicht einschüchtern. Tapfer geht er weiter, präsentiert den Menschen in der Poststraße sein schönstes Lächeln. „Mir macht das nichts aus. Ich kann gut auf Menschen zugehen“, sagt er, während Dominik und Daniel sich um den Bauchladen und die Flyer kümmern. Manche hören zu, andere laufen weiter. Auch das Lachen der anderen Kinder, die sie beobachten, kann ihn nicht aus der Fassung bringen.

„Ich bin begeistert“, gratulierte ihm Geschichtslehrerin Monika Gutmann, bei der sie eigentlich gestern Nachmittag Unterricht gehabt hätten. Straßenkind sein, das war jedoch etwas ganz anderes. „Das trifft mich ganz tief im Herzen, dass keiner helfen will“, bedauert Antonija. Ein klein bisschen was kommt am Ende doch zusammen: „Drei- oder vielleicht vierhundert Euro, schätze ich.“ Die wird Sophie weitergeben, damit die „Hilfe für Kinder in Not“ das Leid ein bisschen lindern kann.

BNN 22. November 2013, von BNN-Mitarbeiterin Christiane Krause

Straßenkind für einen Tag

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Straßenkind für einen Tag 2011

Straßenkind für einen Tag ist eine von terre des hommes ausgerufene Aktion, die jedes Jahr von Kinderrechtsteams aus ganz Deutschland  veranstaltet wird. Das Ziel dabei ist es,  Spenden für Straßenkinderprojekte von terre des hommes zu sammeln und die Leute über Straßenkinder zu informieren. Dazu schlüpfen Kinder und Jugendlich in die Rolle eines Straßenkindes, putzen  Schuhe, waschen Autos oder verkaufen Sachen über einen Bauchladen.
Wie in den beiden Jahren zuvor, haben wir teilgenommen und einen Infostand organisiert. Außerdem haben wir noch Freundschaftsbändchen, unsere selbstgeschriebene Zeitung sowie andere Kleinigkeiten gegen eine Spende abgegeben.
Obwohl es anfangs nicht sehr gut aussah, konnten wir gegen Ende 200€ an Spenden verbuchen, die nun der Fundacion La Paz zu Gute kommen, einem Projekt in Bolivien , das sich um die Schulausbildung von Straßenkindern kümmert.

Hier nun noch einige Eindrücke von unserer Aktion 2011: